FAQ - Häufig gestellte Fragen
- Was ist NanoCare?
- Was sind Nanopartikel?
- Sind Nanopartikel gesundheitsschädlich?
- Reichen die gesetzlichen Regelungen wie die Chemikaliengesetzgebung und das Arbeitsschutzrecht aus, um die besonderen Eigenschaften von Nanomaterialien zu berücksichtigen? Welche gesetzlichen Bestimmungen für Nanomaterialien gibt es in Deutschland?
- Ist ein Moratorium, also die Vorschrift, dass keine Nanotechnologie mehr erforscht werden soll, sinnvoll?
- Was unternimmt die Politik?
- Wie beteiligt sich die chemische Industrie an der gesellschaftlichen Debatte um die Nanotechnologie?
- Sollen Produkte auf Basis von Nanomaterialien kenntlich gemacht werden?
- Wie beteiligt sich NanoCare an der Standardisierungsdiskussion?
- Birgt Nanotechnologie per se ein Risiko?
- Wie gefährlich sind bereits in der Umwelt vorhandene nanoskalige Partikel (Ultrafeinstaub) durch Rußemissionen bzw. natürliche Aerosole wie SiO2 oder Buchenstaub?
Was ist NanoCare?
NanoCare ist ein Projekt und dient der Erzeugung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Nanopartikeln sowie der Etablierung einer strukturierten und interpretierten Informationsbasis, die aus den erzeugten Datensätzen generiert wird. Die beteiligten Partner aus Industrie und Wissenschaft werden dafür gemeinsam höchst innovative Anwendungen und Messmethoden für den vorsorgenden und nachhaltigen Umgang mit chemischen Nanotechnologien entwickeln.
Was sind Nanopartikel?
Nanopartikel oder auch Nanoteilchen bezeichnen einen Verbund von wenigen bis einigen tausend Atomen oder Molekülen. Der Name entspringt ihrer Größe, die typischerweise bei einigen Nanometern (10-9 m) liegt. Als obere Grenze gelten hundert Nanometer. Kleine Nanoteilchen mit weniger als 1000 Atomen werden häufig auch als Cluster bezeichnet.
Sind Nanopartikel gesundheitsschädlich?
Über die gesundheitlichen Auswirkungen gezielt synthetisierter Nanopartikel ist bisher nur wenig bekannt. In-Vitro-Zelluntersuchungen deuten darauf hin, dass Parameter einer entzündlichen Reaktion induziert oder verstärkt werden. Ähnliche Ergebnisse konnten in Tierversuche nachgewiesen werden. Aufgrund der enormen Variabilität in chemischer Natur, Oberflächenbeschaffenheit und Größe der Nanopartikel sowie möglicher Adsorption anderer Moleküle und den verschiedenen Aufnahme- und Wirkungsmechanismen gegenüber lebenden Organismen bzw. Zellen sind Verallgemeinerungen prinzipiell nur bedingt zulässig.
Reichen die gesetzlichen Regelungen wie die Chemikaliengesetzgebung und das Arbeitsschutzrecht aus, um die besonderen Eigenschaften von Nanomaterialien zu berücksichtigen? Welche gesetzlichen Bestimmungen für Nanomaterialien gibt es in Deutschland?
In Deutschland sowie auf europäischer und internationaler Ebene existieren keine spezifischen gesetzlichen Regelungen zur Nanotechnologie. Chemikalien (dazu gehören auch Nanomaterialien) unterliegen dem Chemikaliengesetz, der Sicherheits- und Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz unterliegt dem Arbeitsschutzgesetz. Zusätzlich bietet die europäische Chemikaliengesetzgebung REACH seit 1. Juli 2008 einen Rahmen zur Erfassung von Nanomaterialien. Ob darüber hinaus ein spezifischer Handlungsbedarf besteht, wird in Forschungsprojekten wie NanoCare untersucht. Die Ergebnisse von NanoCare werden dazu beitragen, künftige Sicherheitsmaßnahmen für Nanomaterialien festzulegen.
Ist ein Moratorium, also die Vorschrift, dass keine Nanotechnologie mehr erforscht werden soll, sinnvoll?
Aus Sicht von NanoCare nicht. Es gibt noch Wissenslücken, aber das ist bei jedem neuen Forschungsgebiet so. Diese Lücken sollen durch die Erkenntnisse aus NanoCare und weiteren zahlreichen nationalen, europäischen und internationalen Projekten geschlossen werden. Aber es gibt aus unserer Sicht so viele positive Aspekte der Nanotechnologie (z.B. im Medizinsektor oder im Umweltschutz) dass ein Moratorium kontraproduktiv wäre.
Die Nanotechnologieforschung hilft, natürliche Vorgänge besser zu verstehen, denn auch in der Natur spielen sich sehr viele Prozesse im Nanometermaßstab ab. Fortschritte in der Medizin würden sehr schwierig, wenn keine Nanotechnologieforschung mehr betrieben werden dürfte. Natürlich muss genau darauf geachtet werden, was mit jedem einzelnen Projekt in der Nanotechnologieforschung erreicht werden soll. Ethisch fragwürdige Projekte werden von den meisten Wissenschaftlern und allen Förderern abgelehnt.
Was unternimmt die Politik?
Sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene werden Gespräche geführt, wie nanotechnologische Produkte künftig zu behandeln sind. Für Europa ist das die von der Europäischen Kommission geförderte Technologie-Plattform "Sustainable Chemistry (SusChem)", die auch das Gebiet der Nanotechnologie behandelt.
Auf nationaler Ebene hat das Bundesministerium für Umwelt den Nano-Dialog ins Leben gerufen, in dem ebenfalls diskutiert wird, wie nanoskalige Materialien behandelt werden sollen. Neben den Vertretern der staatlichen Stellen nehmen Industrievertreter, Wissenschaftler, Behörden, Verbände und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) teil. So soll ein verantwortungsvoller Umgang mit Nanomaterialien festgeschrieben werden. Der Information des Bürgers hat sich auch das Projekt NanoCare nicht nur mit dieser Website verschrieben, sondern wir unterstützen darüber hinaus den direkten Dialog mit der Öffentlichkeit durch die von NanoCare ausgerichteten Bürgerforen.
Bei diesen Diskussionen gilt es, den Mittelweg zwischen "das ist alles gefährlich, also verbieten" und "alles harmlos, also pauschal erlauben" zu finden. Vertreter beider Seiten sind sich heute weitgehend einig, dass es darauf ankommen wird, jede einzelne Substanz zu untersuchen, ob von ihr eine Gefährdung ausgeht. Dieser Prozess wird durch BMBF-geförderte Projekte wie NanoCare, INOS oder TRACER intensiv unterstützt.
Wie beteiligt sich die chemische Industrie an der gesellschaftlichen Debatte um die Nanotechnologie?
Die chemische Industrie trägt in zweierlei Hinsicht zur gesellschaftlichen Debatte um Nanotechnologie bei: durch Information und Dialog. Mitarbeiter stellen weltweit auf Fachtagungen und in Publikationen ihre eigenen Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit vor. Manche Unternehmen informieren auf ihren Internetseiten über Themen wie Arbeitsschutz oder zu einem Verhaltenskodex Nanotechnologie (Empfehlung der EU-Kommission, BAUA-Leitfaden).
Die chemische Industrie geht heute proaktiv auf mögliche Bedenken und Besorgnisse der Menschen gegenüber ihren Produkten ein. Sie beteiligt sich zum Beispiel an den aktuellen Forschungsprojekten NanoCare, INOS und TRACER mit eigenen Arbeiten und ist mit in den öffentlichen Dialog eingebunden.
Sollen Produkte auf Basis von Nanomaterialien kenntlich gemacht werden?
Sollen Produkte auf Basis von Nanomaterialien kenntlich gemacht werden?
Hier tun sich zwei ?Unterfragen? auf, die in ganz unterschiedliche Richtungen gehen:
a) Dürfen Produkte, die KEIN Nano enthalten, als ?Nano? bezeichnet werden (z.B. MP3-Player oder Autos)?
b) Sollen Produkte gekennzeichnet werden, die ?Nano? enthalten?
Beide Fragen werden letztlich daran geknüpft, wie man Nano definiert. Das Problem stellt sich dadurch, dass es derzeit keine verbindliche Definition von ?Nano? gibt. Zwar ist allgemein meist dann von ?Nano? die Rede, wenn ein Material in mindestens einer Dimension nanoskalignanoskalig
mind. eine der Raumdimensionen ist kleiner als 100nm ist, aber was ist dann mit Seifenschaum? Die ?Wände? der Seifenbläschen können durchaus aus nanoskaligen Schichten bestehen?
Hier setzen sowohl die Gespräche zwischen den Interessensgruppen (vgl. 1.3) als auch die aktuellen Forschungen an: Es gilt, herauszufinden, für welche Systeme ein Gefährdungspotenzial bestehen kann. Nachfolgend können entsprechende Maßnahmen festgelegt werden.
Bürgerbefragungen zeigen, dass der Verbraucher ein gutes Gefühl dafür hat, was er an Nanotechnologie um sich haben möchte und was nicht: Potenzielle Anwendungen von Nanotechnologie in Lebensmitteln werden sehr kritisch gesehen, die meisten anderen Anwendungen haben eher ein positives Image. Speziell für die Medizin wird ein sehr positiver Einfluss der Nanotechnologie erwartet, bis hin zu manchmal eher utopischen Vorstellungen wie dem Nano-U-Boot, das beschädigte Zellen oder Gefäße repariert.
Fazit: der Verbraucher möchte gern informiert werden, ob in Produkten Nanomaterialien enthalten sind, jedoch muss zunächst festgelegt werden, was Nano eigentlich ist, um es überhaupt kennzeichnen zu können.
Wie beteiligt sich NanoCare an der Standardisierungsdiskussion?
Bei neuen Technologien wie der Nanotechnologie muss international festgelegt werden, was in den verschiedenen Ländern oder wirtschaftlichen Zonen unter dem Begriff ?Nano? verstanden wird, welche Eigenschaften Nanomaterialien auszeichnen und mit welchen Analysemethoden diese nachgewiesen werden sollen. Diese allgemeinen und spezifischere Standardisierungsaktivitäten starteten international Ende 2005 mit der Gründung des "ISO/TC 229 Nanotechnologies". Die entsprechende deutsche Spiegelorganisation des Deutschen Instituts für Normung e. V. (DIN) wurde im Jahr 2006 gegründet. Einige deutsche Chemie-Unternehmen beteiligen sich in beiden Organisationen. Auch die Arbeiten zur Standardisierung und Normierung im Bereich der Toxikologie werden durch Experten in den Gremien der BIAC (Business and Industry Advisory Committee) auf OECD-Ebene aktiv begleitet.
Birgt Nanotechnologie per se ein Risiko?
Eine risikofreie Technologie existiert nicht. Eine pauschale Bewertung eines gesamten Technologiebereiches wie der Nanotechnologie ist aber ebenfalls nicht möglich. Das Risiko kann immer nur in Bezug zu einzelnen Anwendungen von Nanotechnologien in Produkten und Prozessen oder für einzelne Nanomaterialien abgeschätzt werden. Zur Bewertung möglicher Gesundheits- und Umweltrisiken von Nanomaterialien werden deshalb weltweit parallel zur technologischen Entwicklung Projekte zur Sicherheitsforschung durchgeführt. Ob eine Gesellschaft ein Risiko akzeptiert, wird im Wesentlichen von einer Chancen-Risiko-Abwägung abhängen, also wie hoch der Nutzen einer Anwendung im Vergleich zu möglichen Risiken für Mensch und Umwelt ist.
Wie gefährlich sind bereits in der Umwelt vorhandene nanoskalige Partikel (Ultrafeinstaub) durch Rußemissionen bzw. natürliche Aerosole wie SiO2 oder Buchenstaub?
Auch Staub und Aerosole in der Umwelt können gefährdend sein. So ist bekannt, dass z.B. in Schreinereien der eingeatmete Holzstaub von Buche und Eiche zu Krebserkrankungen führen kann. Auch Feinstaub und Dieselabgase sind bekannt für ihre Auswirkungen auf das Atemsystem des Menschen. Die Erforschung der Wirkungen von Nanomaterialien wird sicher auch neue Erkenntnisse liefern, um in der Umwelt vorkommende ultrafeine Stäube bewerten zu können. Umgekehrt kann auch von den vorliegenden Studien zur Bewertung von Feinstaub und Partikeln aus Verbrennungsprozessen auf die Wirkungen von manchen synthetischen Nanopartikeln (z.B. im Atemtrakt) geschlossen werden.


